
In der Grundschule war ich ein ziemlich fauler Schüler. Ich erinnere mich noch, dass wir ein Lernbuch hatten, in dem wir die Matheaufgaben nach eigenem Tempo erledigen sollten. Die nächsten paar Aufgaben, die nach der Stunde noch nicht erledigt waren, sollten wir als Hausaufgabe machen. Meine Strategie war, ein paar der im Unterricht erledigten Aufgaben später als Hausaufgabe zu markieren. Das hat eine Weile ganz gut funktioniert, bis ich erwischt wurde und eine Strafe dafür bekam.
Als es in der vierten Klasse darum ging, auf welche weiterführende Schule ich gehen würde, wurde mir im Gespräch mit Lehrern und Eltern gesagt, dass ich besser auf der Hauptschule aufgehoben wäre. Damals gingen meine Mitschüler alle auf die Realschule oder das Gymnasium. Ich wollte natürlich bei meinen Freunden bleiben, doch daraus wurde nichts, und so kam ich auf die Hauptschule.
Im Nachhinein bin ich mir sicher, dass dieses Gespräch bereits etwas in mir ausgelöst hat, auch wenn es mir bis heute nicht so bewusst war. Gesagt zu bekommen, dass man nicht ausreicht, um auf die Realschule zu kommen, hat zumindest in mir den Ehrgeiz geweckt, es den Lehrern zu zeigen, die mir die Empfehlung für die Hauptschule ausgesprochen hatten.
Zur Zeit des Wechsels auf die weiterführende Schule entdeckte ich meine Leidenschaft für Computer und das Entwickeln von PC-Games. Von diesem Zeitpunkt an war mein Ziel, einen entsprechenden Abschluss zu bekommen, um später Informatik studieren zu können. Trotz des Mobbings habe ich auch die Realschule bis zur 10. Klasse durchgezogen und mit einem Notendurchschnitt von 2,3 abgeschlossen.
Mit diesem Zeugnis bin ich damals zum Berufsschulzentrum in Bietigheim-Bissingen gegangen, um mich für einen Platz am Berufskolleg zu bewerben. Ich erinnere mich noch bestens an die Lehrerin, die mir sagte, mein Notendurchschnitt werde niemals ausreichen, um hier die Fachhochschulreife zu erhalten. Ich dachte mir damals nur: Challenge accepted.
Tatsächlich bin ich zunächst mit viel Wut und Selbstzweifeln nach Hause gefahren. Doch von meinem Ziel wollte ich mich nicht abbringen lassen, und so habe ich der Lehrerin zwei Jahre später das Gegenteil bewiesen, als ich meine Fachhochschulreife mit einem Notendurchschnitt von 1,7 in den Händen hielt. Spätestens seit diesem Zeitpunkt ist jeder Zweifel an mir oder meinen Fähigkeiten für mich eine Herausforderung, die mich zu Höchstleistungen antreibt. Vielleicht kommt daher aber auch mein überzogener Leistungsanspruch?
Was ich damit sagen möchte:
Wenn Menschen an dir und deinen Träumen zweifeln, dann nutze das als Antrieb, um ihnen das Gegenteil zu beweisen. Es gibt nichts Besseres als den Gesichtsausdruck derer, die meinten, dass du es nicht schaffen wirst.
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