Der 5. Dezember 2022 war definitiv ein sehr einschneidender Tag in meinem Leben. In diesem Jahr habe ich mich gegenüber Angehörigen, ein paar Freunden und auch meinem Arbeitgeber geöffnet, was mich all die Jahre so belastet hat. Gleichzeitig musste ich mich aber auch von ein paar Menschen aufgrund von Differenzen verabschieden. Das war einfach zu viel.
Ich erinnere mich, dass es mir morgens schon extrem schwergefallen ist, überhaupt aus dem Bett zu kommen, wie bereits die Tage zuvor. Trotzdem habe ich mich fertig gemacht und bin ins Büro gefahren. Ich befand mich zu diesem Zeitpunkt gerade mitten in der Ausbildung. Im Büro angekommen, habe ich meinen Laptop aufgebaut und mich eingestempelt. Doch richtig arbeiten konnte ich nicht.
Es war ein sehr verregneter Tag. Zum Rauchen musste ich auf den Balkon. Von dort hat man eigentlich einen sehr schönen Ausblick über Stuttgart, doch an diesem Tag war die Aussicht alles andere als schön, und das lag nicht nur am Wetter. Ich weiß nicht, wie oft ich an diesem Morgen mit einer Zigarette auf dem Balkon stand und daran dachte, zu springen. Ich kann nicht mehr genau sagen, was mich davon abgehalten hat. Vielleicht der Gedanke, dass das nicht das Ende sein kann? Vielleicht, weil ich niemandem dieses Trauma im Büro zumuten wollte? Oder war es einfach mein Unterbewusstsein, das noch nicht aufgehört hatte zu kämpfen?
Nach etwa eineinhalb Stunden, gegen 9:30 Uhr, habe ich meine Sachen gepackt, meinen Chefs Bescheid gegeben, die wirklich viel Verständnis hatten, und bin mit dem Zug zurück nach Hause gefahren. Von dort ging ich sofort zu meinem Hausarzt und wurde nach einem längeren Gespräch mit dem Krankenwagen in die nächste Klinik eingewiesen. Dort gab es ein Aufnahmegespräch, und anschließend verbrachte ich drei Tage auf der geschlossenen Abteilung. Auch hier hatte ich noch einige Zeit mit mir zu kämpfen.
Mein Arbeitgeber hat zwei Büroräume: einen im Erdgeschoss und einen mit dem besagten Balkon. Noch heute sitze ich viel lieber im Erdgeschoss, auch wenn sich der Rest meiner Abteilung im anderen Raum befindet. Der Balkon ruft einfach immer noch ungute Emotionen hervor.
Versteht mich nicht falsch: Ich kann dort ohne Probleme mit Kollegen eine rauchen, ohne an Suizid zu denken, und das ungute Gefühl hat mit der Zeit auch abgenommen. Trotzdem bekomme ich immer noch Flashbacks an die Situation von damals, und während ich diese Zeilen schreibe, treten immer wieder Gedanken an die Situation von damals hervor. Doch es sind eher Gedanken daran, wie froh ich bin mich für den Weg des Lebens entschieden zu haben und was ich alles verpasst hätte, wäre meine Entscheidung damals eine andere gewesen.
Was ich also definitiv mitnehme, wenn ich daran denke oder mich in diesen Räumen aufhalte: Es gibt selbst aus den schwersten Situationen einen Ausweg. Das passiert nicht von jetzt auf gleich, sondern kostet viel Zeit und Energie, aber man kann es schaffen. Wenn ich vergleiche, wie ich mich damals gefühlt habe und wo ich heute im Leben stehe und was ich erreicht habe, dann liegen dazwischen Welten.
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