
In diesem Artikel möchte ich auf die schizoaffektive Störung eingehen. Hier findet man alles zur Definition, zu Symptomen und zu meinen eigenen Erfahrungen. Dieser Beitrag entsteht hauptsächlich aus meinen eigenen Recherchen und Erkenntnissen, die ich mir in den letzten Jahren angeeignet habe, um meine Erkrankung besser zu verstehen.
Bevor ich aber zur eigentlichen Störung komme, möchte ich zunächst kurz auf die einzelnen Teilgebiete eingehen.
🌗 Affektive Störungen #
Unter affektiven Störungen werden psychische Erkrankungen zusammengefasst, bei denen die Stimmung, das emotionale Empfinden oder der Antrieb über einen längeren Zeitraum vom Normalzustand abweicht.
Depression:
Die Depression zeichnet sich durch gedrückte Stimmung, Antriebslosigkeit, Interessenverlust und Schlafstörungen aus. Zu den weiteren Merkmalen gehören häufiges Grübeln und das Gefühl von Hoffnungslosigkeit. Durch eine Depression gehen in den meisten Fällen die Freude, das Selbstwertgefühl und auch das Interesse am Leben insgesamt verloren.
Manie:
Von einer manischen Störung oder Manie spricht man bei einer Hochphasenerkrankung. Im Gegensatz zur Depression, bei der sich die Stimmung dauerhaft im Negativen befindet, befindet sich eine Person hier über längere Zeit in einer übermäßigen Hochstimmung. Das führt zu vermindertem Schlafbedarf, erhöhtem Antrieb und oft zu Größenideen.
Auch wenn sich das im ersten Moment durchaus positiv anhört, kann es für Betroffene anstrengend und mitunter auch gefährlich für sich und andere werden. So können manische Phasen bspw. zu einem Kaufrausch, zu Fehlinvestitionen oder zu rücksichtslosem Verhalten im Straßenverkehr führen.
Anhaltende Formen:
Von den oben beschriebenen Störungen gibt es auch chronische Verläufe. Dabei sind die Beschwerden an sich milder.
Bipolare Störung:
Die bipolare Störung ist eine Erkrankung, bei der sich depressive mit manischen oder hypomanischen Phasen abwechseln. Diese Stimmungsstörung gilt nach heutigem Stand der Medizin als nicht heilbar und zählt daher zu den chronischen Krankheiten.
🌀 Schizophrenie #
Diese psychische Erkrankung gehört zu den Psychosen. Obwohl der Begriff “gespaltener Geist” bedeutet, haben Betroffene keine unterschiedlichen Persönlichkeiten im klassischen Sinn. Es handelt sich eher um eine phasenweise stark veränderte Wahrnehmung und ein verändertes Verhalten. Die Beschwerden und der Verlauf sind oft sehr unterschiedlich.
Typische Symptome #
Eine Schizophrenie ist nicht bei jedem gleich. Sie zeigt sich meist in Phasen, und die Beschwerden können ganz unterschiedlich aussehen. Grob lassen sie sich in drei Gruppen einteilen:
- Positivsymptome: Dazu gehört alles, was zusätzlich zum normalen Erleben dazukommt. Zum Beispiel Stimmen hören, die andere nicht hören, oder feste Überzeugungen, die sich von außen nicht nachvollziehen lassen (Wahn), etwa das Gefühl, verfolgt oder beobachtet zu werden. Das Denken kann außerdem sprunghaft und schwer zu ordnen sein.
- Negativsymptome: Hier fehlt etwas, was sonst da wäre. Betroffene haben kaum Antrieb, ziehen sich zurück, zeigen wenig Gefühle oder sprechen weniger. Von außen wird das oft als Faulheit oder Desinteresse missverstanden, obwohl es ein Teil der Erkrankung ist.
- Kognitive Symptome: Konzentration, Gedächtnis und die Fähigkeit, Dinge zu planen, können nachlassen. Der Alltag fühlt sich dadurch schnell überfordernd an.
Ursachen & Risiko #
Es ist nicht vollständig geklärt, wie eine Schizophrenie entsteht. Es wird aber vermutet, dass ein komplexes Wechselspiel aus genetischer Anfälligkeit und äußeren Risikofaktoren dazu führt. Die Nervenzellen in unserem Gehirn (sogenannte Neuronen) tauschen miteinander Informationen aus. Da zwischen den meisten Neuronen keine direkte Verbindung besteht, braucht es Botenstoffe (die Neurotransmitter), welche die Informationen von einer Nervenzelle zur anderen übertragen. Es wird angenommen, dass diese Übertragung in irgendeiner Art und Weise gestört ist, was zu einer gestörten Funktion von Nerven führt. Zu den Neurotransmittern zählen etwa Dopamin und Glutamat.
Zu den möglichen Risikofaktoren zählen u. a. Infektionen der Mutter vor oder während der Geburt sowie Infektionskrankheiten bei einem selbst. Ein weiterer Faktor kann der Konsum bestimmter Substanzen wie etwa Cannabis sein. Zudem können schlimme Erfahrungen in der Kindheit, wie Trauma- oder Gewalterfahrungen, dazu führen. Bei all diesen Faktoren muss aber bereits eine gewisse Veranlagung existieren. Eine Vererbung dieser Anlagen ist nicht auszuschließen, heißt aber noch lange nicht, dass bei dem Kind die Erkrankung ebenfalls auftritt – es ist nur einer von vielen Einflüssen.
Ist Schizophrenie heilbar? #
Da sich bei einer Schizophrenie die Struktur des Gehirns nachhaltig verändert, ist die Krankheit an sich nicht heilbar. Nicht heilbar bedeutet, dass die Medizin nicht in der Lage ist, alle Ursachen vollständig zu beseitigen. Allerdings lässt sich die Krankheit sehr gut behandeln. Dadurch sind Betroffene in der Lage, ein stabiles und selbstbestimmtes Leben zu führen.
Gut zu wissen
Je eher eine Schizophrenie erkannt und behandelt wird, desto besser lässt sich der Krankheitsverlauf positiv beeinflussen.
In der Psychiatrie steht die “Recovery” im Vordergrund. Das bedeutet, dass den Patienten eine hohe Lebensqualität und Zufriedenheit ermöglicht wird – trotz verbleibender Restsymptome.
Stigmatisierung #
Kaum eine psychische Erkrankung hat ein so schlechtes Image wie die Schizophrenie. Das liegt oft an Filmen und Schlagzeilen, die ein falsches Bild zeichnen. Zwei Irrtümer begegnen einem immer wieder:
- “Gespaltene Persönlichkeit”: Schizophrenie hat nichts mit mehreren Persönlichkeiten zu tun (diese Krankheit nennt sich dissoziative Identitätsstörung). Gemeint ist eine Störung im Denken, Fühlen und in der Wahrnehmung, bei der die Verbindung zur Realität zeitweise verloren gehen kann.
- “Die sind gefährlich”: Die allermeisten Menschen mit Schizophrenie sind nicht gewalttätig. Sie sind deutlich häufiger selbst Opfer von Ausgrenzung und Gewalt, als dass sie anderen etwas antun.
Das Stigma hat echte Folgen: Betroffene verschweigen die Diagnose, ziehen sich zurück, suchen später Hilfe oder haben es schwerer bei der Arbeit und bei der Wohnungssuche.
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Während meines Klinikaufenthalts bin ich das ein oder andere Mal an diesem Stein stehen geblieben. Er erinnert an psychisch kranke Menschen, die in der NS-Zeit ermordet wurden, und zeigt auf tragische Weise, was passieren kann, wenn Stigmata nicht abgebaut werden.
Was helfen kann: offen darüber zu sprechen, Fragen zuzulassen und Menschen nicht auf ihre Diagnose zu reduzieren. Eine Schizophrenie ist eine Erkrankung, die man behandeln kann, und kein Charakterfehler.
🌗Die schizoaffektive Störung 🌀 #
Ecken = Symptomgruppen · Kanten = Überlappungen · Mitte = das Gesamtbild
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