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Kämpfend

Psychiatrische Klinik - Meine Erfahrungen

Bildbeschreibung

In diesem Artikel möchte ich alle Eindrücke teilen, die ich während meines Klinikaufenthalts gesammelt habe - Gute wie Schlechte.

🚑 Die Ankunft #

Ich bin am 05.12.2022 gegen 17 Uhr in der Klinik angekommen. Dort wurde ich an das Klinikpersonal übergeben und auf die geschlossene Station gebracht. Zu Beginn musste ich erstmal einige Formulare ausfüllen und hatte noch am selben Abend ein Erstgespräch mit dem diensthabenden Arzt. Ziel war es einzuschätzen wie akut mein Zustand war. Da ich mich bei meinem Hausarzt mit Suizidgedanken gemeldet hatte, wurde beschlossen, dass ich erstmal auf der geschlossenen Abteilung bleibe - auch wenn ich innerlich nicht besonders erfreut darüber war.
Damit sich meine Stimmung wieder stabilisieren konnte habe ich Medikamente bekommen. Ich kann mich erinnern, dass ich ziemlich unruhig gewesen bin an dem Abend. Eigentlich wollte ich überhaupt nicht dort bleiben und gleichzeitig ließ mir mein Kopf keine Ruhe. Ich bin zwischen dem Raucherbereich, dem Empfang und meinem Zimmer hin und her gewandert. Dieser Zustand hielt noch die nächsten paar Tage auf dieser Station an. Richtig abschalten konnte ich erst auf der offenen Station.

Wichtiger Hinweis

Ich beschreibe hier nur meine Eindrücke von meinem Klinikaufenthalt. Das muss nicht heißen, dass es in anderen Kliniken genauso ist.

🔒 Geschlossene Abteilung #

Die geschlossene Abteilung ist grundsätzlich dafür da, dich in einer akuten Situation so schnell wie möglich wieder zu stabilisieren. Aus meiner Erfahrung können die Tagesabläufe sehr eintönig werden, da es dort nicht um umfangreiche Gesprächstherapien geht. Natürlich würde man sofort Hilfe bekommen, wenn man sich beim Pflegepersonal meldet. Es gibt auf diesen Stationen aber keine umfangreichen Gesprächstherapien, bei denen man seine Sorgen loswerden kann. Worauf man sich aber verlassen kann ist, dass die Medikamente ihren Zweck erfüllen werden.

☀️ Mein Tagesablauf #

Der Tagesablauf war eigentlich immer der gleiche. Morgens gab es erstmal Medikamente und im Anschluss daran Frühstück. Bis zum Mittagessen bin ich meistens zurück auf mein Zimmer gegangen. Dort waren vor allem Gedanken wie "was mache ich hier" präsent.
Nach dem Mittagessen, gab es den langen Nachmittag. Das war zugegeben die schlimmste Phase des Tages. Ich bin immer wieder zum Rauchen nach draußen gegangen oder auf der Station umhergeirrt.
Auf einer geschlossenen Station hat man grundsätzlich keine eigenständige Bewegungsfreiheit. Die Fenster sind vergittert oder verriegelt und der Raucherbereich war eine 5x3 Meter Terrasse, die vergittert gewesen ist. Ablenkung habe ich nur durch Spiele auf meinem Smartphone gefunden.
Nach dem Abendessen gibt es zu festen Zeiten dann noch Medikamente bevor es zum Schlafen geht und das Ganze von vorn beginnt.

🤒 Andere Patienten #

Auf meiner Station waren Menschen mit den unterschiedlichsten psychischen Problemen untergebracht. Von Menschen mit schweren Depressionen, die nach der Stabilisierung auf eine offene Station verlegt werden bis zu Dauerpatienten mit schwerer Schizophrenie und anderen Psychosen war alles vertreten. Natürlich wird einem schon etwas anders zu Mute, wenn man die Schreie eines Patienten nachts über die ganze Station hört oder wenn ein anderer Patient plötzlich Gegenstände umwirft.
Ich möchte aber dazu sagen, dass ich auf der Station keine negativen persönlichen Kontakte mit anderen Patienten hatte. Die meisten Menschen mit psychischen Störungen sind ohnehin keine Gefahr für andere Menschen - anders als es in Filmen vielleicht vermittelt wird. Sie sind so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass sie einem aus dem Weg gehen. Das war auch meine Erfahrung damals. Sollte doch mal jemand mit einem Kontakt aufnehmen und man möchte das nicht kann man dem einfach aus dem Weg gehen.

💊 Was gemacht wird #

Wie bereits erwähnt geht es in allererster Linie darum, dich aus der akuten Situation zu holen. Dafür wird geschaut wie genau die aktuelle Lage aussieht und es werden anschließend entsprechende Medikamente angesetzt. In meinem Fall waren das Stimmungsstabilisierer. Je nach Erkrankung sieht das natürlich anders aus. Um den Zustand zu überprüfen, werden regelmäßige Kontrollen gemacht.
Was aus meiner Erfahrung auf solchen Stationen nicht gemacht wird, ist eine umfassende Betreuung bei der du deine Sorgen und Ängste abladen kannst. Das ist aufgrund des Personal-zu-Patienten-Verhältnisses auch kaum machbar. Wenn ich so darüber nachdenke ist das auch nicht zwingend erforderlich. Dafür sind später andere Stationen zuständig - dazu aber später mehr.

👩‍⚕️ Wie war das Pflegepersonal #

Mein Kontakt mit den Pflegern auf der Station war größtenteils positiv. Ich habe immer nette Antworten auf meine Fragen erhalten. Allerdings hat man bei einigen Pflegern gemerkt, dass sie in manchen Momenten etwas gestresst waren. Das ist durchaus verständlich bei ca. 50 Patienten, von denen einige aufgrund ihres Krankheitsbildes sehr anstrengend werden können.

Ich selbst befand mich etwa drei Tage auf der geschlossenen Station bevor ich auf eine offene Abteilung verlegt wurde. Eine Voraussetzung dafür ist, dass die Ärzte merken, dass du selbst wieder stabil bist und sie sicher sein können, dass du dir nichts antun würdest.
Abschließend lässt sich sagen die ersten paar Tage auf dieser Station waren nicht schön aber es ist ein erster Schritt, um wieder stabil zu werden und um die Angebote auf den offenen Stationen richtig nutzen zu können.

🔓 Auf der offenen Station #

In der Klinik, in der ich gewesen bin, waren die offenen Stationen in Häusern organisiert. Jedes Haus ist eine eigenständige Abteilung mit Betreuern und mehreren Patienten. Als ich auf die offene Station verlegt wurde, hat mir ein Betreuer erstmal die Einrichtung gezeigt. Anschließend wurde mir erklärt wie hier alles abläuft. Dazu zählte der Essensplan, bei dem man zwischen drei vorgefertigten Menüs auswählen konnte.

Ich erinnere mich nicht mehr an alle Einzelheiten der ersten paar Tage. Was ich sagen kann, ist, dass es erstmal sehr ruhig ist da die Ärzte die geeigneten Therapieformen für einen aufsetzen und einen dort anmelden. Ich weiß noch, dass ich in der Zeit das erste Mal Besuch von meinen Eltern bekommen habe. Die restliche Zeit habe ich hauptsächlich dafür verwendet, mir das Gelände anzuschauen, zu lesen und abends einen Spaziergang zu unternehmen.

❓Darf man Besuch empfangen? #

Grundsätzlich ist der Besuch von Freunden und Familie erlaubt. Auch das Verlassen des Geländes, um etwas essen zu gehen ist mehr oder weniger unproblematisch. Bei mir auf der Station hat man sich allerdings immer abmelden müssen, wenn man das Haus verlassen hat. Zudem musste man vor einem größeren Besuch kurz nachfragen, ob das zu der Uhrzeit geht. Der Grund dahinter ist, dass man keine Therapieangebote ausfallen lässt oder der Schlafrhythmus durch einen längeren Besuch gestört wird. Zudem galt ab 22 Uhr eine Bettruhe.
Wenn ich mich richtig erinnere, gab es aufgrund von Corona noch einige Limitierungen. Besucher durften bspw. nicht ins Haus mit und einige Orte hatten geschlossen.

🏠 Besuche zuhause #

In den ersten zwei Wochen durfte ich nicht nach Hause, um dort eine Nacht zu verbringen. Der Grund hierfür war, dass ich mich erstmal auf der Station einleben und wieder stabil werden sollte. Nach den zwei Wochen durfte ich dann jeweils eine Nacht am Wochenende zuhause verbringen. Meistens war ich von der Nacht von Samstag auf Sonntag zuhause. Ich bin früh morgens heimgefahren und am Sonntagabend wieder zurück in die Klinik.
Ich wollte damals für Weihnachten zwei Nächte bekommen. Das war aber aus versicherungstechnischen Gründen nicht machbar und ist meines Wissens nach nur in besonderen Fällen möglich. Ich war mit dem Ablauf damals aber sehr zufrieden.

⏱️ Die restliche Zeit #

Nach den ersten paar Tagen, habe ich meinen Therapieplan erhalten. Die unterschiedlichen Therapien sollen einem helfen, langsam wieder einen geregelten Tagesablauf aufzubauen und dem Gehirn helfen, sich auf positive Dinge zu konzentrieren.
Zum festen Wochenablauf gehörten Visiten, die jeden Dienstag und Donnerstag stattgefunden haben. Hier bespricht man mit den Ärzten wie der Zustand aktuell aussieht und ob Dosen der Medikamente weiterhin stimmen.

📋 Mein Therapieplan #

Zu meinem Therapieplan gehörten Arbeitstherapie, Musiktherapie, Bewegungstherapie und progressive Muskelentspannung. Außerdem hatte ich Einzeltermine für ein Kommunikationstraining und ich habe selbst noch einen Abendspaziergang hinzugefügt.
Mein Ratschlag für jeden, der sich vielleicht gerade in einer Klinik befindet: Versucht das nicht zu sehr zu hinterfragen, sondern nehmt es einfach an🙂

👷🏻‍♂️ Arbeitstherapie

Unter der Woche hatte ich von morgens bis zum Mittagessen Arbeitstherapie. Morgens wurden wir vom Personal geweckt. Nach dem Frühstück haben sich alle am Materiallager getroffen. Als Auftrag hatten wir eigentlich immer das Saubermachen der Parkanlage.
Ziel dieser Therapie: Sich wieder an den Arbeitsalltag gewöhnen.

🎶 Musiktherapie

Einmal in der Woche am Donnerstagnachmittag gab es eine Stunde Musiktherapie. Wir haben uns im Therapieraum getroffen, um
zusammen verschiedene Instrumente auszuprobieren.

👟 Bewegungstherapie

Die Therapiestunden fanden in der Sporthalle der Klinik statt. Neben verschiedenen Übungen fürs Aufwärmen haben wir unterschiedliche Sportarten ausprobiert. Dazu gehörten Fußball und Basketball. Ein Highlight war das Klettern an der Kletterwand.

🧘‍♂️ Progressive Muskelentspannung

Viele depressive Personen haben ein Problem damit abzuschalten. Diese Therapie soll einem dabei helfen in den Entspannungszustand zu gelangen. Gleichzeitig lernt man ein mögliches Werkzeug kennen, das man auch nach seinem Klinikaufenthalt noch anwenden kann.

💬 Kommunikationstraining

Wenn du Probleme hast, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten, können solche Trainings durchaus helfen. Allerdings
sind die Termine bei mir häufiger ausgefallen. An den wenigen Tagen, an denen das Training stattfand, haben wir über das richtige Kommunizieren gesprochen und anschließend das Gelernte praktisch angewendet. Das waren meistens Rollenspiele, in denen es zum Beispiel darum ging, wie man ein Gespräch richtig beginnt.

🏁 Fazit #

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Klinikaufenthalt mir auf jeden Fall geholfen hat, wieder Boden unter die Füße zu bekommen. Das Wichtigste daran war auf die Medikamente eingestellt zu werden. Grundsätzlich hilft einem das Therapieangebot sich weiter zu stabilisieren und wieder in einen normalen Tagesablauf zu kommen.
Eine psychiatrische Klinik ist aber nicht darauf ausgelegt euch vollumfassend zu therapieren. In meiner gesamten Zeit hatte ich eine Sitzung bei einer Psychologin, die etwa 30 Minuten gedauert hat. Solltest du also nach einer Klinik suchen, die sich auf Psychotherapie konzentriert, ist eine psychiatrische Klinik eventuell die falsche Anlaufstelle.

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Dies ist ein persönlicher Erfahrungsbericht und ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung. Haftungsausschluss